Drückeberger Goethe-Institut

Drückeberger Goethe-Institut

Natürlich möchte sich das renommierte Goethe-Institut, was seinen Ruf und sein Niveau angeht, nicht mit einer Volkshochschule vergleichen lassen, da hat Marlene Weiss von der Süddeutschen Zeitung (16.11.2013, S. 6) ganz Recht. Trotzdem muss sich das Goethe-Institut den Vorwurf gefallen lassen, ein ebensolcher Lohn-Drückeberger und Anbieter prekärer Dumpinglohn-Jobs zu sein wie die deutschen Volkshochschulen.

Die GEW versucht seit einem Jahr, mit dem Goethe-Institut in Gespräche über tarifvertragliche Lösungen für die Freien Mitarbeiter zu kommen, sagt Andreas Gehrke, für Tarifpolitik verantwortliches GEW-Vorstandsmitglied. „Der Vorstand zeigt uns aber nur die kalte Schulter“. Das Goethe-Institut zieht sich auf das Argument zurück, dass man sich in einem „volatilen Markt“ befinde, eine Formulierung, die andeutet, wie weit das ehemalige Kulturinstitut schon auf eine rein ökonomische Denkweise herabgesunken ist.

Dabei sind die Kosten für einen Deutschkurs bei Goethe-Institut recht üppig: für einen Intensivkurs mit 170 Unterrichtseinheiten berechnet das Institut bis zu 2390 €, das entspricht einem Preis pro Unterrichtseinheit in Höhe von 14,06 €. Zum Vergleich: für einen Integrationskurs an einer Volkshochschule stellt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 2,94 € pro Unterrichtseinheit zur Verfügung. Eine Lehrkraft verdient an einer VHS ca. 20 € pro gehaltener Unterrichtseinheit, beim Goethe-Institut ca. 30 €. Das Goethe-Institut zahlt zwar 1,5 Mal mehr als die Volkshochschulen, nimmt aber für die Kurse 4,78 Mal so viel ein wie die Volkshochschulen. Rechnet man die 20 € um den Faktor 4,78 hoch, so müsste das Goethe-Institut eigentlich 95,60 € bezahlen.

Aus dem Artikel der Süddeutschen Zeitung geht hervor, dass festangestellte Mitarbeiter, die nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst bezahlt werden, netto fast doppelt so viel wie die Honorarkräfte verdienen. Das Argument mit dem „volatilen Markt“ ist lediglich ein Vorwand dafür, dass man an den Honorarkräften sparen will. Es ist bezeichnend, dass das Goethe-Institut mit so einem dummdreisten Argument kommt, obwohl allgemein bekannt ist, dass Sprachkurse seit einiger Zeit wegen der europäischen Finanzkrise einen erheblichen Zulauf verzeichnen. In einem Land wie der Bundesrepublik Deutschland, in dem Dank unseres genialen Schulsystems 7,5 Millionen funktionale Analphabeten leben, wird die Nachfrage nach Deutschkursen wohl nicht so schnell versiegen, falls überhaupt der politische Wille besteht, dass die Menschen vernünftig lesen und schreiben können.

Die Angebote, die das Goethe-Institut den Lehrkräften macht, die gerne im Ausland unterrichten möchten, stehen zunehmend in der Kritik. So wird im Forum Deutsch als Fremdsprache beklagt, dass das Goethe-Institut vor Ort sich nicht an vereinbarte Mindestdeputate hält, dass die Kosten für den Flug nur unzureichend übernommen werden, und dass man nur unzureichend informiert wird: „Über die Höhe der Steuern und Sozialabgaben im Zielland schweigt man sich gleich ganz aus, die Damen und Herren in der Plüschetage des GI beschäftigen sich als Entsandte – sprich als “was Besseres” ja nicht mit solchen Nichtigkeiten, das ist schließlich was fürs Fußvolk (Billige Werkverträgler, aka Honorarlehrkräfte).“ Zufriedenheit sieht anders aus.

Auch der Vorwurf der – illegalen – Schwarzarbeit wird laut: „Das Goethe-Institut mausert sich langsam aber sicher zur größten staatlich subventionierten Lohndumping-Maschine im Bildunsgebereich, mittlerweile arbeiten auch in Deutschland etwa zwei Drittel der Sprachlehrer schwarz, also mit Scheinwerkverträgen.“

Scheinwerkverträge, Scheinselbstständigkeit und Sozialversicherungsbetrug von Seiten der öffentlichen Bildungsträger (Volkshochschule und Goethe-Institut) werden schon seit Langem diskutiert. Aber solange es keine Gerichtsentscheide gibt, die die Arbeitsverhältnisse als „illegal“ brandmarken, sieht man von Seiten der Bildungsträger überhaupt keine Notwendigkeit, dieses Thema auch nur zu erwähnen. Der große Vorteil der Bildungsträger liegt darin, dass es immer nur um Einzelfallentscheidungen geht. Klagt ein Honorardozent, fliegt er raus und bekommt im schlimmsten Fall seine Sozialbeiträge nachgezahlt. Das System wird dadurch aber nicht tangiert, denn wer bei einem der öffentlichen Bildungsträger arbeiten will, der muss sich auf diese Bedingungen einlassen.

Aus Sicht der ArbeitnehmerInnen wäre es wohl das Beste, wenn keiner mehr bei den öffentlichen Bildungsanbietern anheuern würden. Sollen sie doch Pleite gehen. Das Goethe-Institut sagt von sich selbst: „Darüber hinaus vermitteln wir ein umfassendes Deutschlandbild durch Information über das kulturelle, gesellschaftliche und politische Leben.“ Und tatsächlich vermittelt das Goethe-Institut ein authentisches Bild von einem Land, in dem Bildung zur Farce geworden ist, und in dem sich die Arbeit im Bildungsbereich nicht mehr lohnt.

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